Sparky & Robert

In Whangarei (ausgesprochen Fangarei) haben wir erfahren, dass Kiwivogelweibchen ein Ei 28 Tage lang in ihrem Körper tragen. Das Ei wird ziemlich gross, sodass die Kiwimama 2-3 Tage vor dem Legen wegen Platzmangels nichts mehr isst. Proportional zu ihrem Körper legen Kiwis die grössten Eier im Vogelreich. Ausgebrütet wird das Ei vom Kiwipapa für 3 Monate. Die Mutter düst gleich nach dem Legen los, um Futter zu finden und neue Energie zu tanken. Sie kommt nicht zurück, um ihrem Gatten etwas abzugeben, sodass er von Zeit zu Zeit aus dem Nest im Erdboden kommen muss, den Eingang gut versteckt und auf Nahrungssuche geht. Kiwipaare bleiben ein Leben lang zusammen, sind aber nicht unbedingt treu. Sie sind sehr territorial und würden einen dritten Vogel in ihrem Revier nicht dulden, ihn sogar töten wenn er nicht verschwindet. Für viele ist der Kiwi ein Mythos, da alles was man in der Wildnis von ihm sieht ein sich schnell entfernendes Hinterteil ist. Sie sind Nachtschwärmer und extrem flink. Sie haben einen sehr ausgeprägten Gehör- und Geruchssinn und das einzige, was man von ihnen wahrnimmt, ist ihr sehr lauter Ruf nach einem Weibchen.

Im Kiwihaus haben wir einen männlichen und einen weiblichen Kiwi in ihrer „natürlichen Umgebung“ gesehen, einem verdunkelten Stück Wald hinter einer Glasscheibe mit 2 Höhlen, die ständig von ihnen bebaut, geputzt und ergänzt wurden. Nach einer kleinen Tour durch das Museum, wo wir Kiwis Vorfahren „Moa“ kennengelernt haben – einen straussähnlichen Dinovogel, von dem manche behaupten, er lebe auch heute noch – trafen wir auf das „Whangarei Native Bird Recovery Centre“, eine Auffangstation für heimische Vögel, die durch Autos, Boote oder sonstiges verletzt wurden. Wir hatten das grosse Glück Robert anzutreffen, der die Station zusammen mit seiner Frau seit 26 Jahren betreibt, wohlgemerkt freiwillig und ohne Bezahlung. Wir durften einen kleinen blauen Vogel mit riesigen Füssen auf der Veranda streicheln, uns von 2 Tuis locken lassen, die immerzu „Come on, come on, come quick!“ riefen und die Fütterung der Falken beobachten. Doch das Highlight war definitiv Sparky, der einbeinige Kiwi, der bereits ganz Neuseeland bereist hat.

Sparky wurde von einem Auto angefahren und hat so ein Bein verloren. Dies hindert ihn zwar nicht daran fröhlich durch die Gegend zu hüpfen und nach Würmern zu schnüffeln, aber in der Wildnis würde er nicht lange überleben. Also beschloss das DOC (Department of Conservation) Sparky einschläfern zu lassen, als sie von ihm erfuhren. Dies konnte Robert natürlich nicht zulassen, da Sparky sonst kerngesund war, und so ging er zu den lokalen Medien und erzählte ihnen, dass er diesen einbeinigen Kiwi für Lehrzwecke behalten werde. Er werde mit ihm die Kindergärten und Grundschulen Neuseelands besuchen und ihnen den Kiwi und die anderen heimischen Vogelarten näher bringen. Dies war eine Sensation, denn Sparky ist bis heute der einzige Kiwi, den man anfassen darf und dem man so nahe kommen kann. Somit konnte das DOC ihn nicht mehr einschläfern lassen, ohne eine Menge Kiwimenschen gegen sich aufzubringen. Sparky hat mittlerweile hunderte Flüge mit Air New Zealand hinter sich, besuchte letztens ein Blindenheim und selbst die Airforce hat ihn bereits zu sich eingeladen.

Dieser kleine Kiwi war gerade 10 Tage alt als wir ihn sahen. Er wird nach seiner Genesung ausgewildert.

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